Die komplette Geschichte von GTA (Teil 2): Die 3D-Ära
Diesmal tauchen wir in unserer Grand-Theft-Auto-Retrospektive in die legendäre 3D-Ära ein, die Rockstar Games endgültig zu einem Branchenriesen machte. Von den bahnbrechenden Auswirkungen von GTA III bis zu den neongetränkten Straßen von Vice City und dem riesigen Sandbox-Spiel San Andreas zeigt dieses Kapitel, wie GTA das Open-World-Gaming für immer neu definierte.

Im ersten Teil unserer Reihe zur Geschichte von Grand Theft Auto haben wir uns die wilden Anfänge der Serie angesehen, die Kontroversen rund um die frühen Spiele und die Gründung von Rockstar Games. Doch jetzt kommen wir zu der Phase, die GTA endgültig zum globalen Phänomen machte. Der zweite Teil der Reihe dreht sich um die legendäre 3D-Ära – eine Zeit, in der Rockstar Open-World-Spiele praktisch neu definierte und der gesamten Gaming-Industrie zeigte, in welche Richtung Videospiele in den nächsten Jahrzehnten gehen würden.
Es war eine Ära voller enormer Ambitionen, neonbeleuchteter Straßen, Gangs, ikonischer Soundtracks und technischer Sprünge, die heute fast schon absurd wirken. GTA III schockierte die Spieler mit seiner Freiheit und einer lebendigen Stadt, Vice City verwandelte die 1980er in eine einzige große digitale Party, und San Andreas zeigte, dass sich ein Videospiel anfühlen konnte wie ein ganzer Bundesstaat voller Möglichkeiten. Rockstar schien damals keine Grenzen zu kennen; jedes neue Spiel wurde größer, mutiger, kontroverser und in vielerlei Hinsicht revolutionär. Und genau deshalb wird die 3D-Ära von GTA bis heute als eine der wichtigsten Phasen in der Geschichte von Videospielen erinnert.
Außerdem lies unseren vorherigen Artikel über die frühen Tage der Serie und die 2D-Ära von Grand Theft Auto.




Grand Theft Auto III (2001)
Das Jahr 2001 markierte einen Wendepunkt für Grand Theft Auto, der nicht nur die Serie selbst, sondern praktisch die gesamte Gaming-Industrie grundlegend veränderte. Rockstar erkannte: Nach der eher zähen Resonanz auf GTA 2 brauchte man etwas, das deutlich ehrgeiziger war – also schob man die Serie in eine voll ausgereifte 3D-Welt. Liberty City wurde über Nacht zur lebendigen Metropole voller Verkehr, Gangs, Passanten, Polizisten und Details, die damals fast schon unglaublich wirkten.
Spieler konnten sich jedes Auto schnappen, frei durch die Stadt bewegen, Radiosender mit Musik und Werbespots hören, Haupt- und Nebenmissionen erledigen oder einfach überall im Stadtgebiet Chaos anrichten. Es war GTA III, das zeigte, wie eine moderne Open World aussehen sollte – und setzte Maßstäbe, an denen sich andere Spiele noch Jahre später messen lassen wollten.
Außerdem gab es einen enormen Wandel in der Erzählweise. Während frühere Ableger vor allem auf Freiheit und Sandbox-Chaos setzten, bot GTA III ein stärker filmisches Erlebnis: mit Sprecherrollen, Motion-Capture-Cutscenes und einer stimmigeren Story. Der Hauptprotagonist war der stumme Claude, der nach einem Bankraub von seinem Partner Catalina verraten und allein der Polizei ausgeliefert wird. Nach der Flucht aus einem Gefangenentransport verstrickt er sich nach und nach in die Konflikte zwischen Mafia-Familien, Gangs und dem Untergrund von Liberty City – immer mit dem Ziel, sich zu rächen. Die Atmosphäre war rauer, reifer und zeitweise sogar zynisch, was perfekt zu der düsteren Welt des Verbrechens passte, die Rockstar erschaffen hatte.
Allerdings wurde die Entwicklung des Spiels deutlich von den Ereignissen am 11. September 2001 beeinflusst. Da Liberty City eine klare Parodie auf New York war, passte Rockstar kurz vor dem Release mehrere Details an, damit das Spiel in der Folge der Terroranschläge auf das World Trade Center nicht gefühllos wirkt.
Einige Dialoge wurden entfernt, das Aussehen von Polizeiwagen und Feuerwehrtrucks verändert – und auch die Cover-Art wurde angepasst. Letztlich verschob sich der Release um mehrere Wochen. Trotz allem wurde GTA III zu einem absoluten Phänomen: Das Spiel erhielt begeisterte Kritiken, brach auf der PlayStation 2 Verkaufsrekorde und inspirierte ganze Generationen anderer Open-World-Titel – besonders Spiele wie Mafia, Saints Row und Watch Dogs.

Grand Theft Auto: Vice City (2002)
Auf die Revolution von Grand Theft Auto III folgte kein Abbremsen: Schon ein Jahr später erschien Grand Theft Auto: Vice City und transportierte die Serie in das sonnenverwöhnte, neonbeleuchtete Miami der 1980er. Ursprünglich war geplant, dass GTA: Vice City nur eine eher kleine Erweiterung von GTA III wird – doch die Ambitionen der Entwickler wuchsen nach und nach zu einer vollwertigen Fortsetzung. Vice City baute auf allem auf, was das dritte Spiel erfolgreich gemacht hatte, verpasste ihm aber eine deutlich stilvollere Atmosphäre, bessere Animationen, ein umfangreicheres Fahrzeugarsenal und jede Menge neuer Möglichkeiten.
Zum ersten Mal konnten Spieler so viele Motorräder fahren, wie sie wollten, Helikopter oder Flugzeuge steuern, Immobilien kaufen und ihren eigenen kriminellen Imperium aufbauen. Ein riesiger Teil der Identität des Spiels waren außerdem die Radiosender mit ikonischen Hits aus den 1980ern – so wurde eine simple Fahrt durch die Stadt schnell zu einem Erlebnis, das man nicht so leicht vergisst. In diese Zeit fiel auch die Umbenennung von DMA Design in Rockstar North.
Doch zurück zum Spiel: Diesmal stand der Gangster Tommy Vercetti im Rampenlicht, der nach einer missglückten Drogenoperation mitten in eine Machtauseinandersetzung gerät – in einer Stadt, die von Mafia, Kartellen und Straßengangs kontrolliert wird. Vice City war das erste GTA-Spiel mit einem vollständig vertonten Protagonisten, und Rockstar setzte das Ganze mit einer fast schon cineastischen Inszenierung in Szene – inspiriert von Klassikern wie Scarface und Miami Vice.
Die Atmosphäre aus Luxus, Verbrechen und überbordendem Exzess traf die Zeit, die das Spiel abbildete, perfekt, und Vice City wurde schnell zu einem der ikonischsten Einträge der gesamten Reihe. Sowohl Spieler als auch Kritiker waren begeistert – und das Spiel landete am Ende unter den erfolgreichsten Titeln seiner Generation. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass in den ersten 48 Stunden nach Release unglaubliche 1,4 Millionen Exemplare verkauft wurden – eine schwindelerregende Zahl für diese Zeit.

Grand Theft Auto: San Andreas (2004)
Als Grand Theft Auto: San Andreas 2004 erschien, wollte Rockstar nicht mehr nur eine größere Fortsetzung bauen. Man wollte gleich einen ganzen Bundesstaat erschaffen. San Andreas bot deshalb nicht nur eine Stadt, sondern eine Trilogie riesiger Metropolen, inspiriert von Los Angeles, San Francisco und Las Vegas. All diese Schauplätze waren über Autobahnen, Dörfer, Wüsten, Wälder und ländliche Gebiete miteinander verbunden. Damals war das ein unglaublich ambitioniertes Open-World-Erlebnis, das lebendiger und größer wirkte als alles, was es zuvor gab.
Spieler konnten Flugzeuge fliegen, Fahrräder fahren, unter Wasser schwimmen, Fallschirmspringen oder Autos nach eigenem Geschmack anpassen – und auch die Anzahl der verfügbaren Fahrzeuge und Aktivitäten wurde erneut deutlich aufgepeppt. Rockstar erweiterte die Sandbox-Möglichkeiten außerdem erheblich und arbeitete an Details wie realistischeren Schusswechseln, Mechaniken für Stealth und Dutzenden von Neben-Minispielen (etwa Abriss-Derbys, BMX-Fahrten und Tanzeinlagen).
Auch RPG-Elemente waren ein großer Neuzugang. Die Hauptfigur, Carl „CJ“ Johnson, konnte sein Aussehen über Kleidung, Tattoos oder Frisuren verändern – doch das Spiel reagierte auch auf seinen Lebensstil. Wer sich an Fast-Food-Läden überfrisst, nimmt zu, während regelmäßiges Training die Fitness und Kraft des Charakters verbessert.
Die Story drehte sich dieses Mal um Gangs, Street Culture und um die Stimmung der 1990er Jahre in den USA. Nach dem Tod seiner Mutter kehrt CJ nach Los Santos zurück, wo er sich nach und nach in Konflikte zwischen Gangs, korrupten Cops und dem kriminellen Untergrund verstrickt. Rockstar setzte dabei klar auf einen deutlich authentischeren Ton und holte für die Vertonung eine Reihe bekannter Schauspieler ins Boot – darunter Samuel L. Jackson, während CJ selbst von dem Rapper Young Maylay gesprochen wurde.
Schon zum Release landete San Andreas sofort unter den größten Gaming-Events seiner Generation. Sowohl Kritiker als auch Spieler lobten die riesige Menge an Inhalten, die Freiheit und die unglaubliche Vielfalt an Missionen – was dem Spiel den Charakter eines riesigen virtuellen Spielplatzes voller unvergesslicher Momente verlieh. Der Titel räumte Preise ab, brach Verkaufsrekorde und bleibt bis heute einer der ikonischsten Einträge der gesamten Reihe.
Gleichzeitig löste das Spiel jedoch auch eine der größten Kontroversen in der Geschichte von Rockstar aus. Die Entdeckung des versteckten „Hot Coffee“-Minispiels im Quellcode des Spiels folgte eine massive Medienschelte, Klagen und enormer Druck auf Rockstar Games und Take-Two Interactive. Dabei handelte es sich um ein Minispiel, in dem der Hauptcharakter sexuelle Handlungen ausführen konnte.

Obwohl diese Funktion nicht direkt im Spiel verfügbar war, blieb sie im Code verborgen – und Modder machten sie schließlich in PC-Versionen zugänglich. Das Ergebnis? Rockstar Games und Take-Two mussten 20 Millionen US-Dollar zahlen, um den Streit beizulegen. Allerdings bestätigte das nur noch einmal, dass GTA schon längst nicht mehr einfach nur ein gewöhnliches Videospiel war, sondern ein Phänomen, das regelmäßig über die Grenzen der Gaming-Industrie hinausreichte. Die Schrecke gewann außerdem 15 Game-of-the-Year-Auszeichnungen und verkaufte in der ersten Woche 4,5 Millionen Exemplare.
Fun Fact: GTA: San Andreas hält den Guinness-Weltrekord von 2009 für die meisten Schauspieler, die in einem einzigen Videospiel auftreten – 861.
Wie geht’s weiter?
Doch auch wenn die 3D-Ära Grand Theft Auto zum unangefochtenen König der Open-World-Spiele machte, war Rockstar natürlich nicht damit zufrieden, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Eine weitere große Revolution stand bereits vor der Tür. Im finalen Teil unserer Reihe wechseln wir in die HD-Ära – in der die Serie einen realistischeren Ton annahm, eine deutlich filmischere Erzählweise bekam und ein technischer Sprung GTA endgültig als eines der größten Phänomene der modernen Gaming-Industrie festigte. Wir werfen noch einmal einen Blick auf Liberty City mit Niko Bellic, erkunden den Rekord-Erfolg von GTA V, den Start von GTA Online und den Weg hin zum lang ersehnten GTA VI.
Siehe auch: Der vorherige Artikel über die frühen Tage der Serie und die 2D-Ära von Grand Theft Auto.
Siehe auch: Der dritte Teil unserer Reihe über die GTA-Franchise – mit Fokus auf die HD-Ära und die Gegenwart.

